1.4.2.9 - Kassel, Residenzschloß, stadtplanerische Gestaltung



1.4.2.9 - Kassel, Residenzschloß, stadtplanerische Gestaltung


Inventar Nr.: L GS 15226
Bezeichnung: Kassel, Residenzschloß, stadtplanerische Gestaltung
Künstler: Johann Heinrich Wolff (1792 - 1869), Zeichner
Datierung: 1824/25
Geogr. Bezug:
Technik: Graphit
Träger: Transparentpapier
Wasserzeichen: -
Maße: 25,3 x 17 cm (Blattmaß)
Maßstab: -
Beschriftungen: unten rechts: "Bl. 483" (Farbstift in Rot)


Katalogtext:
Die Pläne Johann Heinrich Wolffs zur Neugestaltung des Kasseler Residenzschlosses umfaßten auch eine stadtplanerische Umgestaltung des umliegenden Geländes. Beabsichtigt war, den Neubau optimal in die vorhandene Bebauung im Nordosten (auf dem Blatt unten) einzupassen und eine Verbindung zur südwestlich (hier oben) gelegenen Fuldaaue herzustellen.
Der Standort des geplanten Residenzschlosses wird in der vorliegenden Entwurfsskizze nur durch die nördliche und südliche Treppeanlage angezeigt. Im Norden sollte durch eine rechteckige Platzgestaltung mit rundbogiger Erweiterung ein Freiraum gegenüber der einengenden Bebauung der Altstadt geschaffen werden, um eine einer Residenz gebührende Wirkung zu erzielen. Teile der Altstadtbebauung hätten dazu niedergerissen werden müssen. Seitlich des Schlosses plante Wolff zwei verschieden große Exerzierflächen, deren Struktur an die von Simon Louis Du Ry entworfene Rennbahn anknüpfte (s. L GS 13822). Wolff griff den von den Franzosen zerstörten halbrunden Kolonnadenabschluß wieder auf und ergänzte ein westliches Pendant. Auch die Längsseitenbegrenzung durch Baumpflanzungen ging auf die alte Rennbahngestaltung zurück. Allerdings rückte Wolff die Anlage nach Südwesten, um sie zur Ostseitenbebauung des Friedrichsplatzes axial auszurichten. Ein vertikaler Achsenbezug sollte zudem zwischen dem Schloßvorplatz mit seiner rundbogigen Platzerweiterung, dem Schloß und der Voraue entstehen, wo Wolff am Zusammenlauf von Kleiner Fulda und Fulda ein Rondell plazierte. Er bezog sich hier erneut auf einen vorhandenen Baubestand - der Stadtplan von F. W. Selig von 1781 (Holtmeyer 1923, Taf. 15) zeigt einen südwestlich der Rennbahn gelegenen kreisrunden Platz -, den er entsprechend seiner symmetrischen Geländegestaltung neu ausrichtete. Um zur Aue hin eine Abgrenzung zu schaffen, plante Wolff zudem eine Begradigung der Kleinen Fulda und führte den Wasserlauf bogenförmig vor dem Rondell vorbei. Ein gerader Weg verläuft durch die Voraue und verbindet Rondell und Orangerie miteinander. Die moderne Gartengestaltung im englischen Stil, die vor 1820 ein geschlängeltes Wegenetz mit mittig gelegenem Teich hatte entstehen lassen (s. Stadtplan v. F. W. Selig von 1822; Holtmeyer 1923, Taf. 16), ist in der Skizze nicht eingetragen. Statt dessen findet sich hier die traditionelle symmetrische Untergliederung der Voraue. Daß die Veränderung in diesem Teil der Karlsaue jedoch beim Anfertigen des Planes vorgelegen haben muß und demzufolge von Wolff bewußt ignoriert worden ist, zeigt der Baubestand westlich des Residenzschlosses. Zwischen dem Fridericianum und der südlich gelegenen Elisabethkirche ist die bis in die 20er Jahres des 19. Jahrhunderts bestehende Baulücke durch das Hofverwaltungsgebäude geschlossen. Angesichts der dreiflügeligen Form muß die Zeichnung innerhalb der Planungszeit, im Verlauf des Jahres 1825, entstanden sein, da 1826 mit dem Bau einer Zweiflügelanlage begonnen wurde. Diese Datierung wird gestützt durch den Baubestand am südlichen Abschluß des Friedrichsplatzes zur Aue. Da das Friedrichs- oder Auetor in der hier vorliegenden umgebauten Form mit dem von Bromeis entworfenen römischen Triumphbogen erst 1824 fertiggestellt wurde (Holtmeyer 1923, S. 126), kann die Zeichnung nicht vor diesem Datum entstanden sein. Auch die sich zur Aue hin windende serpentinförmige Anfahrt gehört zum jüngeren Erscheinungsbild dieses Stadtteils. Sie wurde im Zusammenhang mit dem Bau der Chattenburg nach dem Entwurf Jussows (vor 1820) angelegt.
Insbesondere die beabsichtigte Veränderung des Flußlaufs und das Hinwegsetzen über die jüngsten Veränderungen im Bereich der Voraue verdeutlichen den idealen Entwurfscharakter des vorliegenden Planes, von dessen Umsetzung wohl auch Wolff nicht ausgegangen ist. Vielmehr wollte er zusammen mit den Schloßrissen ein umfassendes Gestaltungsprojekt vorlegen, das seine kreativen Fähigkeiten demonstrierte. Keiner der Vorschläge fand Eingang in die Gestaltung des Schlosses und von dessen Umgebung.
Stand: September 2004 [MH]


Literatur:
unpubliziert


Letzte Aktualisierung: 08.09.2017


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