1.4.2.10 - Kassel, Residenzschloß, Entwurfsskizzen und Plan der Umgebung, Grundriß



1.4.2.10 - Kassel, Residenzschloß, Entwurfsskizzen und Plan der Umgebung, Grundriß


Inventar Nr.: L GS 15250
Bezeichnung: Kassel, Residenzschloß, Entwurfsskizzen und Plan der Umgebung, Grundriß
Künstler: Johann Heinrich Wolff (1792 - 1869), Zeichner
Datierung: 1824/25
Geogr. Bezug: Kassel
Technik: Graphit, Feder in Rot
Träger: Transparentpapier
Wasserzeichen: -
Maße: 33,5 x 23,4 cm (Blattmaß)
Maßstab: -
Beschriftungen: oben links: "Bl. 186 c" (Graphit)


Katalogtext:
Das vorliegende Transparentpapier zeigt diverse Entwurfsskizzen, die die Planungen Johann Heinrich Wolffs zum Kasseler Residenzschloß betreffen.
Rechts unten ist ein Grundrißentwurf des Schloßuntergeschosses in Graphit eingezeichnet und teilweise mit roter Feder nachgezogen. Der um mehrere Innenhöfe angelegte Baukomplex in der Form eines gleichschenkligen Kreuzes findet sich in allen Grundrißentwürfen wieder (L GS 15157, L GS 15160 - L GS 15164). Abgesehen von dieser Grundstruktur ist auch die Binnengliederung vergleichbar. Von dem zur Stadtseite gelegenen Säulenportikus (oben, nur angedeutet) sollte die Erschließung des Baus durch ein transversales Vestibül erfolgen, von dem sowohl das in einem Quertrakt untergebrachte Treppenhaus wie auch die seitlich angeordneten Binnenhöfe zu erreichen wären. Das Zentrum der Anlage bildet ein quadratischer, von Loggien umschlossener Innenhof. Im östlichen Kreuzarm, dessen Inneres ebenfalls von einem Binnenhof eingenommen wird, finden sich zwei symmetrisch angelegte Räume, die laut Beschriftung als Bibliothek und als Garderobe fungieren sollten. Die Viersäulenloggia bei diesem Bauteil kommt in einem anderen Grundrißentwurf (L GS 15157) vor. Da Wolff die Säulenreihen im späteren Entwurfsstadium an allen Fassadenseiten verlängerte, ist hier ein früher Entwurf anzunehmen, der zeitlich jedoch auf den Grundrißentwurf L GS 15157 folgt. Bei diesem fehlen die kreuzförmigen Räume in den Gebäudeecken, die - von dem vorliegenden Entwurf ausgehend - zu einem Bestandteil aller weiteren Entwürfe wurden. Nicht weiter verfolgte Wolff dagegen die Anordnung von vier kleinen Räumen mit zentralen Säulen (?), die von einem kreuzförmigen Korridorsystem erschlossen werden, in dem zur Aue hin ausgerichten Kreuzarm. Statt dessen griff er den zweigeschossigen, runden Kuppelsaal des ersten Entwurfs wieder auf (L GS 15157).
Die Graphitskizzen in unmittelbarer Nähe des Grundrisses zeigen den Residenzschloßgrundriß in unterschiedlichen Entwicklungsstadien, die von Wolff jedoch alle nicht weiter verfolgt wurden. In der linken Blatthälfte wird in zwei Entwurfsskizzen die kreuzförmige Anlage in einen Situationsplan eingebunden, dessen Struktur Wolff in Teilen weiter ausarbeitete. So hielt er an der Vorplatzgestaltung durch seitlich angeordnete halbrunde Kolonnaden fest, die sich auf die von Simon Louis Du Ry im südwestlichen Vorgelände des Landgrafenschlosses entworfene Rennbahn beziehen. Auch die vorhandenen Baumpflanzungen an den Längsseiten des Geländes sind in den beiden Skizzen angedeutet. Eine weitere, zur Blattmitte hin versetzte, um 90 Grad gedrehte Planskizze dokumentiert Wolffs Überlegungen hinsichtlich der Gestaltung der Voraue mit einem begradigten Flußlauf der Kleinen Fulda. Das kreuzförmige Wegenetz mit der zentralen runden Platzanordnung bezieht sich auf die alte Parterregestaltung der Voraue, die jedoch bereits vor 1820 von einer Gartenanlage im englischen Stil abgelöst worden war. Die nachträglich skizzierte Kreisform wird von Wolff in einem späteren Entwurf (L GS 15250) zu einem Rondell entwickelt, das die axiale Verknüpfung zwischen Aue, Schloß und nördlicher Vorplatzgestaltung übernehmen sollte.
Stand: September 2004 [MH]


Literatur:
unpubliziert


Letzte Aktualisierung: 08.09.2017


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