1.4.1.2 - Kassel, Entwurf zu einem Residenzschloß, Grundriß (Nachzeichnung)



1.4.1.2 - Kassel, Entwurf zu einem Residenzschloß, Grundriß (Nachzeichnung)


Inventar Nr.: L GS 15301
Bezeichnung: Kassel, Entwurf zu einem Residenzschloß, Grundriß (Nachzeichnung)
Künstler: Johann Heinrich Wolff (1792 - 1869), Zeichner
Datierung: um 1812
Geogr. Bezug: Kassel
Technik: Feder in Schwarz und Rot
Träger: Transparentpapier
Wasserzeichen: -
Maße: 52,4 x 32,5 cm (Blattmaß)
Maßstab: -
Beschriftungen: oben links: "Bl. 97" (Farbstift in Rot)
in der Darstellung: Benennung der Bauteile und Räume (Feder in Rot)


Katalogtext:
Die auf Transparentpapier ausgeführte Schemazeichnung zeigt das Projekt für ein Schloß, das aufgrund der Bezeichnung "Entré du Coté de Wilhelmshöhe" am Tor des vorgelagerten Platzes den Entwürfen für ein neues Residenzschloß König Jérômes in Kassel zugeordnet werden kann. Wie L GS 15300 und vielleicht auch L GS 15302 hat es Johann Heinrich Wolff wahrscheinlich unmittelbar nach dem Original nachgezeichnet und dabei das Raumprogramm durch Beschriftungen kenntlich gemacht. Dem Blatt kommt als Beleg für den Umfang und den Anspruch der bisher nur wenig bekannten Planungen zu dem nie realisierten Bauvorhaben am Stadtrand eine besondere Bedeutung zu. Wegen der von Wolff selbst erwähnten guten Beziehungen zum ersten Hofarchitekten Grandjean de Montigny ist dieser als Urheber der Vorlage anzusehen. Damit wird dessen Anteil an dem Projekt, von dem bislang vor allem Klenzes Mitwirkung gewürdigt wurde (Buttlar 1986, S. 193f.; Buttlar 1999, S. 62-64; Katalog München 2000, S. 230f.) über die beiden bisher bekannten Entwürfe (Katalog Rio de Janeiro 1979, S. 208, Nr. 64 u. S. 209, Nr. 65; Katalog Boulogne-Billancourt 1988, S. 33f., Nr. 19, 20, 21; vgl. L GS 15300 u. L GS 15302) deutlicher faßbar.
Der Plan weist in seiner Gesamtdisposition Verwandtschaft zu Perciers und Fontaines Schloßprojekt von Chaillot für den Roi de Rome auf (Hautecoeur 1943-1957, Bd. 5, Abb. 111), ist aber deutlich kleiner dimensioniert. Hier wie dort besetzt das Schloß mit seiner Längsfront eine Seite des als "Cirque" ausgebildeten und mit zwei Brunnen ausgestatteten Vorplatzes. Zwei Tore an den halbkreisförmigen Schmalseiten und ein breiter Durchlaß zwischen zwei begrenzenden Gebäuden, deren Größe auf die beiden Schloßflügel bezogen ist, erschließen den Platz. Die Hofseite des längsrechteckigen Baukörpers des Palais ist durch zwei Flügel verlängert, in denen die Kapelle und das Theater untergebracht sind. Diese an Grandjeans Entwurf für das alte Stadtschloß (GS 12982) wie auch den Grundriß L GS 15302 erinnernde Lösung unterscheidet sich von dem Projekt für Chaillot, wo diese Einrichtungen seitlich der Binnenhöfe angeordnet sind. Für Kassel ergibt sich daraus eine durchgehende Front von 41 Achsen, deren monumental vorzustellende Wirkung durch die drei Zugänge lediglich abgemildert wird.
Auch die Grundrißdisposition der beiden Projekte zeigt Parallelen, besonders in der Abfolge von drei Haupträumen im Mitteltrakt. Grandjean legt den sehr groß konzipierten überkuppelten Audienz- und Ballsaal direkt hinter den gewölbten Zugang. Durch einen folgenden weiteren Gewölberaum erreicht man den mit einer Apsis abgeschlossenen Thronsaal mit Kuppel im Zentrum des Schlosses. An der Gartenseite schließt bemerkenswerterweise das große Paradeschlafzimmer die Folge der drei Hauptrepräsentationsräume ab. Seitlich des letzteren befinden sich die Wohn- und Arbeitsräume des Königs. In einem Seitenflügel ergänzt der von zwei überkuppelten Emporen ("tribunes") flankierte große Speisesaal das Raumprogramm.
Der Entwurf, der in seiner Größenordnung denjenigen Klenzes entspricht, erhellt den Repräsentationsanspruch, der mit dem Neubau der Residenz nach dem Brand des alten Kasseler Schlosses verknüpft war.
Stand: September 2004 [GF]


Literatur:
unpubliziert


Letzte Aktualisierung: 08.09.2017


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