1.64.18.3 - Kassel, Wolfsschlucht, Entwurf für drei Mietshäuser, Aufriß



1.64.18.3 - Kassel, Wolfsschlucht, Entwurf für drei Mietshäuser, Aufriß


Inventar Nr.: L GS 15330
Bezeichnung: Kassel, Wolfsschlucht, Entwurf für drei Mietshäuser, Aufriß
Künstler: Johann Heinrich Wolff (1792 - 1869), Architekt
Datierung: um 1838
Geogr. Bezug: Kassel
Technik: Graphit, Feder in Grau, graubraun, beige, graugrün und grauviolett laviert
Träger: Papier
Wasserzeichen: -
Maße: 26,8 x 49,8 cm (Blattmaß)
Maßstab: unbezifferter Maßstab ohne Maßeinheit
Beschriftungen: oben mittig: "Wolfsschlucht" (Graphit)
oben rechts: "Bl. 235" (Feder in Rot)
oben rechts: "Genehmigt durch einen Beschluß / kurfürstl. Ministeriums d.J. No." (Feder in Grau)
unten rechts: "Für die Uebereinstimmung m[it] dem Original / Wolff" (Feder in Grau)
verso: "Nachlaß Wolff" (Graphit)


Katalogtext:
Nach dem Abbruch der Zollmauer des 18. Jahrhunderts ließ Johann Heinrich Wolff um 1838 an der hier verlaufenden und nun verbreiterten Garde du Corps-Straße fünf Mietshäuser errichten (Holtmeyer 1923, S. 60; Bähr 1926, S. 102; Hallo 1930/1, S. 298f.). Der Name der in diesem Abschnitt lange Zeit nur auf einer Seite bebauten Straße änderte sich später angeblich unter Anspielung auf den Bauherrn in den noch heute gültigen Begriff Wolfsschlucht.
Die Gruppe aus zwei großen palaisartigen Gebäuden und einem fünfachsigen Haus in geschlossener Bebauung war auf fünf fast gleich breiten Parzellen errichtet, so daß sich eine Diskrepanz zwischen der Fassadengliederung und den tatsächlichen Hausgrößen ergab. Die Ursache liegt in der auf eine eindrucksvolle Wirkung der Bauten abzielenden Planung, die auch in der für Kassel in dieser Zeit noch ungewöhnlichen Viergeschossigkeit zum Ausdruck kommt. Das Projekt weist in seinen Dimensionen und Ansprüchen Merkmale des Baugeschehens auf, wie es sich seit dem späten 18. Jahrhundert in den Großstädten entwickelte. Dem entspricht auch die formale Orientierung der Fassadenbildung an italienischer Architektur. Allerdings wurden Wolffs Kasseler Häuser nicht in Stein, sondern in Fachwerk ausgeführt (Hoffmeister/Prior 1885, S. 134; Bähr 1926, S. 27).
Die Zeichnung, laut Beschriftung eine Kopie des Originals, zeigt die projektierte Fassadengestaltung und deutet durch Lavierung die beabsichtigte Farbgebung an. Durch gemeinsame Gestaltungsmerkmale wie die durchgehende Rustizierung der Erdgeschosse, die gleich hohen Stockwerke mit einheitlich großen und gereihten Fenstern oder die gleichförmigen Dachgauben erscheint die Häusergruppe sehr homogen, weist aber im Detail Differenzierungen auf, um Eintönigkeit zu vermeiden. Das linke Gebäude umfaßt mit elf Achsen zwei Häuser und nicht drei, wie die nachträglich in Graphit eingetragenen Hausnummern 3, 5 und 7 fälschlich angeben. Eine gemeinsame Durchfahrt in der Mitte erschließt den Hof mit zwei Rückgebäuden. Die Fassade wird durch zwei seitliche dreiachsige Risalite mit vertikalen Quaderungen gegliedert. Alle Fenster sind rechteckig und schlicht gerahmt. Der anschließende Bau hat mit etwa 28 m (98 Fuß) und zehn Achsen etwas weniger Breite als der erste. Durch seine durchgängig rundbogigen Fenster und Türen sowie ein Konsolkranzgesims und ein etwas erhöhtes Dach hebt er sich von den beiden angrenzenden Häusern. Die in den einachsigen Eckrisaliten angeordneten Portale lassen erkennen, daß es sich auch hier um ein Doppelhaus handelt. In der rechten Hälfte wohnte der Bauherr der Anlage, Johann Heinrich Wolff (laut Adreßbuch der Stadt Kassel ab 1839; Holtmeyer 1923, S. 762). Das die Baugruppe abschließende fünfachsige Haus Nr. 11 weist trotz lediglich 13 m Breite zwei seitlich angeordnete Türen auf. Das läßt sich, wie bei den beiden Doppelhäusern, durch die erforderliche Erschließung des an der Rückseite angefügten Flügels erklären. Das Fassadenschema folgt dem des ersten Doppelhauses Nr. 3 und 5. Allerdings sind die Fenster durch Ohren, leichte Verjüngung der Fensterrahmungen sowie Verdachungen in der Beletage abwechslungsreicher behandelt. Mit der rechts folgenden Lavierung scheint eine beabsichtigte Fortführung der Häuserzeile angedeutet zu sein.
Stand: August 2007 [GF]


Literatur:
Hallo 1930/1, S. 298f., Abb. 6


Letzte Aktualisierung: 08.09.2017


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