2.8.2.1 - Kassel-Wilhelmshöhe, Mulang, Pagode, Bauaufnahme und Entwurf für einen neuen Anstrich, Aufriß



2.8.2.1 - Kassel-Wilhelmshöhe, Mulang, Pagode, Bauaufnahme und Entwurf für einen neuen Anstrich, Aufriß


Inventar Nr.: SM-GS 1.3.981
Bezeichnung: Kassel-Wilhelmshöhe, Mulang, Pagode, Bauaufnahme und Entwurf für einen neuen Anstrich, Aufriß
Künstler: unbekannt
Datierung: 1825/1826
Geogr. Bezug: Kassel-Wilhelmshöhe
Technik: Graphit, Feder in Schwarz, koloriert
Träger: Papier
Wasserzeichen: "J WHATMAN / 1823"
Maße: 37,3 x 36,6 cm (Blattmaß)
Maßstab: -
Beschriftungen: unten rechts: "(aus dem Nachlass des / Kurf. Baurat Regenbogen) / Eigentum von: / Geschwister Michel, / Kassel-Wilhh. / Im Druseltal 2" (Schreibmaschine)
verso: "Pagode zu Moulang" (Graphit)
verso: "Kegelhaus ?" (Graphit)


Katalogtext:
Als "eines der reizvollsten Gebäude auf Wilhelmshöhe" bezeichnete Paetow die Pagode in Mulang (Paetow 1929, S. 38). Der heute noch existierende Pavillon im chinoisen Stil, eine Mischung aus Rundtempel und Pagode, gehörte vermutlich zu den ersten der dort ab 1780/81 errichteten Häuser. Das charakteristische Aussehen mit dem Säulenkranz, den geschwungenen Zeltdächern und der Dachlaterne geht zurück auf den 1758 von Charles Over veröffentlichten Entwurf für ein "Banquetting House" (vgl. Temple 1990, S. 103, Abb. 54).
Die kolorierte Aufrißzeichnung, die aus dem Nachlaß des Hofbaumeisters Regenbogen stammt, wird von der Buntfarbigkeit der durch Sprossen in geometrischen Formen unterteilten Laternenfenster geprägt. Die verschiedenen Rot- und Grüntöne korrespondieren mit dem kräftigen Rot der beiden Zeltdächer. Demgegenüber wirkt die pastellfarbene Tönung der Fassade hinter den blaugrün getönten, von Bändern umwundenen Säulen deutlich zurückgenommen. Die aufgemalte Scheinarchitektur mit einer durchlaufenden Balustrade sowie Pilastern zwischen einfachen Wandfeldern gibt dem Baukörper Struktur.
Da das verwendete Papier das Wasserzeichen "J WHATMAN / 1823" trägt, kann es sich bei dieser Zeichnung nicht, wie bisher allgemein angenommen, um einen Entwurf für die Pagode handeln. Es liegt hier vielmehr eine Bauaufnahme vor, die mit einem neuen Anstrich des Gebäudes 1826 in Verbindung gebracht werden kann. In einer Akte im Hessischen Staatsarchiv Marburg (StAM Best. 7b 1, Nr. 447) ist auf fol. 113 für 1826 ein neuer Anstrich des "chines. Tempels" erwähnt. Explicit genannt werden hier der vergoldete "Schirm über dem Dach", das rote Dach und "marmorierte" Säulen.
Ebenso wie die englische Vorlage zeigt auch das vorliegende Blatt eine Dachbekrönung mit schirmartigem Anschluß. Bei der heute an diesem Gebäude anzutreffenden vergoldeten Dachbekrönung mit Glockenkränzen und Mondsichel handelt es sich allerdings um eine spätere Ergänzung aus den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts, deren Ursprung in einem Aufsatz von 1957/58 dokumentiert ist: "für die Art der Wiederherstellung kam der Bauleitung ein Fund zustatten, der in einer kurz zuvor von der Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten erworbenen Sammlung alter Wilhelmshöher Pläne aus dem Besitz der Erben des Hofgärtners Michel gemacht wurde. Eine der darin enthaltenen Zeichnungen gibt das Äußere des Tempelchens, wie es tatsächlich ausgeführt worden ist. […] Auf der farbigen Aufrißzeichnung aber sind schon alle die Einzelformen wiedergegeben, die wir an dem heute stehenden Bauwerk wiederfinden. Die Basis und das Kopfstück der Holzsäulen, das Gesims des Daches, das über dem Umgang herauskragt, dazu seine blattförmig ausgebogenen Gradendigungen über den Stützen und der Schwung der ganzen Dachfläche selbst finden sich hier vorgezeichnet. Das Zeltdach auf der ganz in Glasflächen aufgelösten 'Laterne' über der Mitte des kleinen Baues, trägt eine lustige Bekrönung auf einer von glöckchenbehangen Ringen umgebenen Stange in der Art eines Schellenbaumes" (Ganßauge 1957/58, S. 18). Beschrieben ist also offensichtlich das hier vorliegende Blatt, der erwähnte "Schellenbaum" erscheint hingegen einzig in dem Entwurf für eine Voliere aus dem gleichen Bestand (VSG 1.3.983). In diesem Punkt lag also ein kapitaler Irrtum vor, der bis heute das Aussehen der Pagode im Mulang prägt.
Stand: August 2007 [UH]


Literatur:
Temple 1990, Abb. 52; Steinhauer 1996, Abb. 37, Steinhauer 2003, Abb. S. 31; Becker/Karkosch 2007, S. 71, Abb. 61


Letzte Aktualisierung: 09.04.2015


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