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9.3.1.1 - Nimwegen, Valkhof, Architekturdetails, Skizze, Fenster- und Kapitellstudie



9.3.1.1 - Nimwegen, Valkhof, Architekturdetails, Skizze, Fenster- und Kapitellstudie


Inventar Nr.: GS 12351
Bezeichnung: Nimwegen, Valkhof, Architekturdetails, Skizze, Fenster- und Kapitellstudie
Künstler: Hugo Schneider (1841 - 1925), Zeichner
Datierung: um 1870
Geogr. Bezug: Nimwegen
Technik: Graphit
Träger: Papier
Wasserzeichen: nicht ermittelbar
Maße: 15 x 21,6 cm (Blattmaß)
Maßstab: -
Beschriftungen: oben rechts: "Nimwegen Holland." (Graphit)
oben rechts: "oberes Fenster." (Graphit)
oben rechts: "28" (Graphit)


Katalogtext:
Das Skizzenblatt versammelt drei Architekturdetails aus dem Valkhof, der alten Königspfalz im niederländischen Nimwegen. Links sind Teile eines mit Maßangaben versehenen romanischen Biforienfensters skizziert, oben ist ein Schnitt durch ein anderes Fenster angelegt und rechts ein korinthisches Kapitell auf einem Rasenstück dargestellt. Eine genaue Datierung des Blattes ist nicht möglich, doch dürfte es in der zweiten Hälfte der 1860er Jahre oder Anfang der 1870er Jahre entstanden sein, als Hugo Schneider kurzzeitig in Utrecht arbeitete (1864) und dann in Aachen u. a. die bauhistorischen Studien des Kanonikus Franz Bock mit Skizzen, Aufmaßen und Illustrationsvorlagen unterstützte.
Alle Darstellungen auf Schneiders Studienblatt verraten ein Interesse an frühmittelalterlicher Baukunst mit Bezug zu Aachen. Nimwegen, eine Stadt mit römischen Ursprüngen, wird 777 erstmals in den Urkunden genannt. Dort bestand ein merowingischer Königshof, den auch die Karolinger für gelegentliche Aufenthalte nutzten und zu einer Pfalz ausbauten. Ab 830 ist der Ort als "castrum" bezeugt, was eine Befestigung wahrscheinlich macht. Unter den Ottonen und vor allem den Staufern wurde die Befestigung weiter ausgebaut, so daß eine große Burganlage entstand, die am Rande der Reichsstadt Nimwegen gelegen und in deren Befestigungswerke einbezogen war. In der frühen Neuzeit bedeutungslos geworden, verfiel die Anlage, 1796/97 wurde sie bis auf geringe Reste abgebrochen, im 19. Jahrhundert ein Park auf dem Gelände angelegt. Allein die wohl auf die erste Hälfte des 11. Jahrhunderts zurückgehende Nikolauskapelle und die Apsis der unter Friedrich Barbarossa errichteten Martinskapelle blieben erhalten.
Die beiden Fensterdetails sind in der Nikolauskapelle zu verorten, deren Datierung bis in jüngste Zeit umstritten war und die laut Schneider durchaus als spätkarolingisch-ottonischer Bau gelten konnte. Die Datierungsansätze schwankten zu seiner Zeit zwischen der Karolingerzeit und dem 12. Jahrhundert mit Tendenz in die Mitte des 10. Jahrhunderts, ein gotischer Umbau verunklärt das Bild zusätzlich. Der Bezug der Nikolauskapelle auf die Aachener Marienkirche Karls des Großen ist nicht zu übersehen: Obwohl wesentlich kleiner als diese, ist auch die Nimwegener Kapelle als achteckiger Zentralbau, den ein sechzehneckiger, zweigeschossiger Umgang umgibt, angelegt, im Westen ist ihm ein stark reduziertes Westwerk als Eingangsbereich vorgelegt, der ursprüngliche Chor ist nicht erhalten. Anstelle des zweigeschossigen Säulenschirms, der den oberen Umgang der Aachener Marienkirche vom oktogonalen Zentralraum trennt, sind in Nimwegen große Biforien über massiv gemauerten Brüstungen ausgebildet, von denen Schneider eines links auf dem Blatt in seinen wesentlichen Elementen skizziert und einmißt. In einen großen Rundbogen, der bei Schneider nur angedeutet ist, ist jeweils eine schlanke Säule mit Würfelkapitell eingestellt; dieses trägt eine Kämpferplatte, von der kleinere Rundbögen zu den mit Kämpfern markierten Ansatzpunkten des großen Bogens ausgehen. In Schneiders Skizze ist insbesondere die Säule nur schematisch dargestellt; sie müßte wesentlich länger und nicht so stark konisch zulaufend sein, was sich aber auch aus den beigefügten Maßen ergibt.
Der kleine Schnitt am oberen Rand des Blattes ist durch eines der äußeren Fenster des Sechzehnecks gelegt, wobei Schneider eines der Fenster des Ursprungsbaus wählte; die Profile der Fensterlaibungen des gotischen Umbaus sind komplizierter.
Das sorgfältig gezeichnete korinthische Kapitell rechts auf dem Blatt ist noch heute im Bestand des Museums "Commanderie van Sint-Jan" in Nimwegen erhalten, in den es 1952 gelangte. Es ist aus weißem italienischem Marmor gefertigt und mit einer doppelten Reihe von Akanthusblättern verziert, über denen in der Mitte jeder Seite eine große Rosette sitzt. Ein Eierstab und ein Flechtband umgeben die Deckplatte. Das Kapitell konnte beim Abbruch der Burganlage Ende des 18. Jahrhunderts geborgen werden. Es wird in die Karolingerzeit datiert und diente in der Stauferzeit als Modell für die vereinfacht ausgeführten Kapitelle am Triumphbogen der Martinskapelle (s. Katalog Nimwegen 1980 (1984)).
Stand: September 2007 [LK]


Literatur:
unpubliziert


Letzte Aktualisierung: 09.04.2015


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